Creativeworld Blog

Im Fluss der Farben

19. September 2019

Der französische Maler Paul Cézanne sagte einmal „Das, was den großen Maler ausmacht, das ist der Charakter, den er allem verleiht.“ Schaut man auf das aktuell liebste Motiv von Katja van Strijk, so blickt man in die Augen charakterstarker Frauen. Sie scheinen mit sich im Reinen und wirken faszinierend selbstbewusst. Warum sie Frauengesichter malt, das wurde sie zum ersten Mal in diesem Interview gefragt. Ihre Antwort und viele mehr lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

Katja van Strijk übt eine Tätigkeit aus, die viele Leserinnen und Leser dieses Blogs durchaus als Traumberuf bezeichnen würden. Als Technical Advisor reist Sie für den Öl- und Aquarellfarben-Hersteller Royal Talens um die Welt, um unter anderem Workshops zu geben. Das können Fachhändler in Bangkok sein oder Lehrer von künstlerischen Fakultäten in Europa. Sie arbeitet eng mit dem Labor zusammen: Gibt es Anregungen von den Teilnehmern, gibt es Farbwünsche, könnte eine Konsistenz noch besser sein, dann gibt sie dieses Feedback in die Produktentwicklung weiter. Und wenn man sie selbst an Farbe und Pinsel lässt? Dann entstehen Kunstwerke, die sie als ganz private Katja von Strijk auf Ausstellungen oder auf ihrem Instagram-Account zeigt.

Wie bist Du zur Malerei gekommen?

Mein Onkel Piero Pistone aus Italien war Kunstmaler. Ich durfte ihm schon als kleines Kind über die Schulter schauen und war fasziniert von den Farben und Formen auf dem Papier. Das Tollste war, ihn bei seinen Farben-Einkäufen zu begleiten. Dann gingen wir in klitzekleine Läden voll mit diesen Schätzen und es roch nach Ölfarbe und ich war einfach begeistert davon und habe selbst angefangen zu malen.

Hast Du Dein Talent je an einer Kunsthochschule oder ähnlichem professionell untermauert?

Nein, ich bin Autodidaktin. Ich glaube, wenn man etwas mit Leidenschaft tut, dann wird man auch gut darin. Und ich kann heute privat und beruflich als Künstlerin und Expertin für meine geliebten Farben auftreten, lerne Künstler und Kulturen aus aller Welt kennen, habe viel Spaß daran und bin dankbar, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte.

Dein Markenzeichen sind Frauengesichter inmitten von Aquarellfarben. Warum begeistert Dich Aquarell und warum immer wieder dieses starke Motiv?

Ich habe über mehrere Jahre mehrheitlich abstrakt figurativ in Acryl gemalt. Bei meinem ersten Besuch am Internationalen Aquarell-Festival in Fabriano im Jahr 2018 habe ich das Aquarell-Malen für mich wiederentdeckt. Das mit den Frauen ist eine gute Frage, sie begeistern mich einfach. Ich habe auch versucht, Männergesichter zu malen, aber darin liegt für mich keine Faszination. Sehen meine Frauen stark aus? Vielleicht ist das ein Wunschbild von mir, ich stehe eigentlich nicht so gern im Mittelpunkt und bin eher bodenständig als arrogant (lacht).

Nr. 511 zeigt Katjas Interpretation von Rembrandts Nachtwache

Du koordinierst Royal Talens´ Rembrandt Ambassador Programm zum 350. Todestag von Rembrandt in diesem Jahr. Auf Deiner Webseite erwähnst Du das Rijksmuseum in Amsterdam. Mit was bist Du aktuell dort zu sehen, mit was beschäftigst Du Dich?

Für das Rembrandt-Jahr habe ich zwölf Botschafter und Künstlerinnen in das Ambassador-Programm geholt, die mit den Farben von Royal Talens arbeiten und unsere Aktionen zum Rembrandt-Jahr begleiten. Vieles findet im Rijksmuseum statt, das die größte Sammlung von Rembrandt-Werken beherbergt. Unabhängig davon habe ich mich mit einem Gemälde für die Ausstellung „Lang Lebe Rembrandt“ beworben. Sie zeigt 575 Werke, die von dem niederländischen Meister inspiriert wurden. Ich hatte das Glück, aus mehr als 8500 Einsendungen für die Jubiläums-Ausstellung vom 15. Juli bis 15. September im Rijksmuseum ausgewählt zu werden. Mein Werk ist angelehnt an Rembrandts Werk “Die Nachtwache”, wobei in meiner Interpretation statt Männern Frauen im Vordergrund stehen.

Dein Gesicht zierte die Van-Gogh-Kampagne von Royal Talens „That’s me“. Was fasziniert Dich an den Künstlern Rembrandt und van Gogh?

Van Gogh war ein Autodidakt wie ich auch. Daher kann ich mich sehr gut mit der Kampagne “That’s me” identifizieren, wo Künstler ihren eigenen, teilweise markanten Malstil wiedergeben dürfen.

Rembrandt dagegen hat mich in meinen frühen Werken inspiriert. Für viele gilt Rembrandt als „Meister des Lichts“. Er nutzte dramatischen Lichteinfall, um Szenen intensiver und aufregender zu gestalten. Ob natürliches Sonnenlicht, eine flackernde Kerze oder die dunklen Schatten, die ein Kaminfeuer wirft. Daran habe ich mich orientiert und versucht, von ihm zu lernen.

Du reist auch privat viel. Wo würdest Du am liebsten leben und an welchem Ort kannst Du am besten künstlerisch tätig sein?

Ich fühle mich überall auf der Welt zu Hause. Skandinavien, besonders Norwegen und Schweden, haben es mir wegen der Natur und der Kultur angetan. Wenn ich ein Land bereise, möchte ich die Kultur des Landes kennenlernen. Ich habe das große Glück, in meinen Kunstreisen viele Leute zu treffen, die mir ihre liebsten Orte und besondere Dinge zeigen.

Welche spannenden Projekte hast Du in der Pipeline? Was werden wir von Dir sehen?

Diese Woche findet in Beirut die Art Week statt, wo ich vier meiner Aquarell-Bilder für eine Woche auf der dort stattfindenden Art Fair zeigen darf. Ich stelle dort als Künstlerin ohne Galerie aus, meine Werke wurden direkt durch Kuratoren ausgewählt, was mich sehr freut.

 

Wer Katja van Strijk einmal live beim Malen beobachten möchte, hat auf der kommenden Creativeworld vom 25. bis 28. Januar in Frankfurt die Gelegenheit, ihr auf dem Stand von Royal Talens über die Schulter zu schauen.

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